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Die Welt, das Leben.
World and Life.
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Eine These:
Die folgenden
Widersprüche
sind für die Labilität der gegenwärtigen technischen
Zivilisation
und ihre globalen Konflikte verantwortlich.
Mit ihnen
lässt sich auch die Historie der Menschheit verstehen.
Prognosen über die
Zukunft unserer Zivilisation werden von diesen Widersprüche geprägt.
W1.
Steinzeitliches Verhalten: Menschen von heute sind steinzeitliche Jäger und
Sammler, die in einer technischen Massengesellschaft leben. Das gleiche
animalische Verhalten: Gewaltbereitschaft, Revierverhalten, Eigennutz,
Selbstüberschätzung. Keine bewusste Sinngebung, kein Weitblick, beherrscht durch
Emotionen, kaum Vernunft. Völlig ausgelastet mit der Produktion, Verteilung und
Verteidigung von individuellem Wohlstand. Menschen mit solchem Verhalten sind
unfähig, deutlich sichtbare, globale Zukunftsfragen (und die hier beschriebenen
Widersprüche) zu lösen (Rio, Kyoto, Johannesburg). Deshalb entwickeln sich
menschliche Gesellschaften zwangsläufig immer wieder zu Kaiserreichen,
Diktaturen und Oligarchien.
W2. Gewalt statt Vernunft: Gewaltanwendung,
Lüge und Täuschung sind die bevorzugten Verfahren für die Erringung und
Verteidigung von Besitz und Macht. Je grösser ein Konflikt, umso
wahrscheinlicher wird er mit Gewalt 'gelöst'. Vernunft und Bildung haben
gegenüber Gewalt und Militär praktisch keinen Stellenwert. Die Gesellschaft
funktioniert ohne Vernunft, ohne Bildung und ohne Kenntnis der
Naturwissenschaften. Denken und spezialisierte Bildung sind nur bei 'Technikern'
zwingend erforderlich. Unsere Zivilisation: Eine animalische Gesellschaft,
gewaltbereit, emotional gesteuert und ausgestattet mit einem nie dagewesenen
Waffenarsenal.
W3. Permanentes Wachstum: Endliche Recourcen und
unendliches Wachstum schließen sich aus. Deswegen ist Wachstum ein
unvernünftiges Ziel einer Gesellschaft. Ständig wachsender Wohlstand und
steigender Mehrwert ist mit offenen Kreisläufen, extensiver Ausbeutung der Natur
und auf Kosten anderer Menschen (und Staaten) auf Zeit erreichbar. Die Folge
aber ist die globale Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen: Verbrauch
natürlicher Recourcen oder ihre Umwandlung in Müll; Verschmutzung von
Landschaft, Wasser und Klima; irreparable Eingriffe in den natürlichen
Genpool.
W4. Akkumulation von Geld und Besitz: Die Zinswirtschaft war und
ist die finanzielle Grundlage aller bisherigen Zivilisationen. Hightech und
Globalisierung mit dem in der Steinzeit erfundenen, inflationären Finanzsystem.
Die Zinswirtschaft wurde optimiert durch das Eigentumsrecht, die Einführung des
privaten Grundbesitzes und die Privatisierung der Bodenschätze. Das Erbrecht
sichert den Besitz über den Tod hinaus. Dieses System sorgt für die
zwangsläufige Akkumulation von Besitz (und Macht) in den Händen einer kleinen
Gruppe von Menschen. Daran ändert auch die Demokratie nichts, im Gegenteil, sie
begünstigt die Wohlhabenden. Die Zinswirtschaft hat entscheidenden Anteil am
gesellschaftlichen Ziel des permanenten Wachstums. Wachstum nährt die Illusion,
der Inflation zu entkommen.
W5. Kein Ausgleich zwischen Arm und Reich:
Die Reichen (Staaten) wurden und werden reich auf Kosten der Armen (Staaten).
Kapital und Macht sind identisch, deshalb teilen die Reichen ihr Kapital mit den
Armen nicht. Sie haben auch kein Interesse daran, dass die Armen aus eigener
Kraft reich werden, denn das läuft letztendlich auch auf Teilen hinaus. Das
Gefälle von Besitz, Wohlstand und Bildung läuft in Form eines Naturgesetzes auf
die Reichen und die reichen Staaten zu. Trotzdem versucht die Erste Welt, den
Ausgleich mit Gewalt aufzuhalten. Auch wenn längst bewiesen ist, dass Armut und
Fanatismus mit Gewalt nicht zu beseitigen sind, wird genau das mit immer
effektiveren Waffen ständig neu versucht (ABC-Waffen, Weltraumrüstung,
Präventivkrieg, Nation-Building).
W6. Energieabhängige Technik: Die
gegenwärtige Zivilisation basiert entscheidend auf Technik, die ohne Energie
nicht funktioniert. Die Abhängigkeit der Gesellschaft von Technik und Energie
ist umfassend. Durch digitale Informationstechnologien wurde sie total. Ein
globaler, 14-tägiger Stromausfall wirft die hochtechnisierte Zivilisation
schlagartig um 20.000 Jahre zurück. Es funktioniert nur noch die Natur, mit der
'zivilisierte' Menschen nicht mehr umgehen können. Im Jahr 2004 ist die
westliche Welt davon abhängig, dass täglich 80 Millionen Barrel Rohöl gefördert
werden. Weltweit werden 90 Prozent der Energie aus fossilen Energieträgern
erzeugt. Der Energiebedarf steigt, die Deckung des Bedarfs wird teurer, die
Recourcen sind endlich. Energiekrisen sind absehbar oder bereits akut. Kriege um
Öl finden statt und werden zunehmen.
W7. Labile Technik: Technik ist
prinzipiell labil, weil Naturgesetze und Technik eine Komplexität besitzen, die
der Mensch weder ahnt noch beherrscht. Die Technik ist grundsätzlich
störanfällig, wartungs- und energieabhängig. Technische Konzepte sind
kurzsichtig, Folgeabschätzungen unterbleiben, oder sind unmöglich. Niemand
steuert oder kontrolliert die technische Entwicklung. Sie wird durch Geschäft
und durch brennende Neugier angetrieben, aber nicht durch Moral begrenzt. Daraus
erwachsen völlig unkalkulierbare Risiken.
W8. Religiöse Weltbilder: Die
gesamte Technik der Gesellschaft basiert auf Naturwissenschaften. Die
technisierten Menschen aber leben mit Jahrtausende alten, religiösen
Weltbildern. Ideologien sind nicht besser als Religionen, weil auch sie auf
fiktiven 'Glaubenssätzen' beruhen. Es existiert kein wissenschaftlich fundiertes
Weltbild, das mit Religionen oder Ideologien konkurrieren könnte. Der
menschliche Geist ist nicht annähernd adäquat mit den naturwissenschaftlichen
Erkenntnissen und Möglichkeiten gewachsen. Sinngebung, vernünftiges Handeln,
Denken und Moral sind auf dem Niveau mystischer oder utopischer Fiktionen stehen
geblieben. Ein konfliktträchtiger Anachronismus.
W9. Verschärfung der
Widersprüche: In dieser Gesellschaft existieren tausende von Widersprüchen. Für
die meisten gilt: Sie sind systemimmanent und prinzipiell nicht auszugleichen.
Sie wirken global und sie besitzen die Tendenz, sich (auch exponentiell) zu
verschärfen.
Aktualisiert: Tawala, Panglao Island, 04.02.03, 07.02.03,
13.02.03, 21.03.03
Berlin, 26.07.03, 24.10.03, 01.06.04
Puerto Galera,
18.02.2005
Jürgen Albrecht, 22. Januar 2003
Weiteres von Jürgen
Albrcht
http://www.storyal.de